Neue EU-Normen Empfehlung für maschinelle Schnittholzsortierung
Aufgrund der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von dem umweltfreundlichen Baustoff Holz (z.B. bei Häusern, Hallen, Türmen oder Brücken) ist eine präzise Vorsortierung von Bauholz nach Festigkeitsgraden zwingend erforderlich, damit die Stabilität der Holzkonstruktionen gewährleistet ist.
Hierfür gibt es spezielle zuverlässige und schnelle Maschinen, die aber -obwohl die visuelle Klassifizierung wesentlich ungenauer und langsamer ist- nur sehr selten eingesetzt werden, da die geltende EU-Norm für jede einzelne Holzart und -herkunft teure individuelle Anerkennungen vorschreibt. (Wenn z.B. eine Maschine, die zur Sortierung von deutschem Kiefernholz verwendet werden darf, auch polnisches Kiefernholz sortieren soll, muss sie nach EU-Recht zuerst in einer zeit- und geldaufwändigen Testreihe 450 Proben dieses spezifischen Holzes vermessen. Da die Sägewerke jedoch oft Holz von unterschiedlicher Herkunft gleichzeitig verarbeiten, ist der Einsatz einer Maschine zu wenig effektiv und zu kostenintensiv.)
Die Eigenschaften von Holz als Baumaterial werden sowohl von klimatisch unterschiedlichen Standorten als auch von verschiedenen Boden- und Umweltbedingungen beeinflusst. Bei der zur Zeit überwiegend praktizierten visuellen Sortierung können die Festigkeits- und Steifigkeitswerte nur anhand der sichtbaren Merkmale wie etwa Astanteile, die stabilitätsmindernd wirken oder Verfärbungen, die auf Pilze hindeuten, eingestuft werden. Da die Maschine auch nicht sichtbare Kriterien wie Dichte oder Elastizität erfasst, ist die Sortierung wesentlich gründlicher und zuverlässiger, wodurch das Bauholz sicherer wird.
Holztechnologen der technischen Universität München (TUM) haben daher in einem europäischen Forschungsprojekt namens „GRADEWOOD“ untersucht, wie die maschinelle Sortierung überwiegend zum Einsatz kommen könnte und wie die bestehenden Hürden überwunden werden könnten.
Folgende Fragestellungen wurden EU-weit untersucht:
- Inwieweit beeinflusst die Herkunft des Holzes dessen Festigkeit?
- Ist die bestehende Unterscheidung der EU-Normen nach Herkunftsländern sinnvoll?
Hierfür hat das Forscher-Team 2 Jahre lang in Deutschland, Frankreich, Belgien und Schweden über 6.000 Schnitthölzer von Fichte und Kiefer aus zehn europäischen Ländern sortiert. Hierbei kamen sehr aufwändig bei jeder einzelnen Probe fünf Maschinen zur Messung der verschiedenen Holz-Festigkeitsparameter zum Einsatz.
Aus dem Vergleich der gesammelten Daten ergab sich überraschenderweise, dass nicht alle gefundenen, regionalen Unterschiede in der Festigkeit der Hölzer durch die gemessenen Parameter erklärt werden konnten.
In der umfangreichen Studie stellte sich z.B. heraus, dass obwohl Dichte und Elastizität von Fichtenholz aus Polen und Schweden gleich waren, das Holz dennoch verschiedene Festigkeiten aufwies. Hieraus wurde geschlossen, dass es noch nicht ermittelte Parameter gibt, die die Holzeigenschaften beeinflussen.
Hier muss also weiter geforscht werden, um zusätzliche messbare Parameter zur Erhöhung der Genauigkeit der Vorhersagen von Holzsortiermaschinen zu finden.
Ein wichtiger Nachweis wurde im Rahmen der Studie von den TUM-Forschern erbracht: die Holzeigenschaften variieren zwar abhängig von der Herkunft - allerdings weit weniger, als dass eine Herkunftseinteilung nach Ländern sinnvoll wäre.
Aus Sicht der Wissenschaftler wäre die Einteilung in 3 große Gebiete, deren Holz jeweils ähnliche Eigenschaften aufweist, ausreichend: Nord-, Mittel- und Osteuropa.
Wenn dieser Vorschlag vom Europäischen Komitee für Normung angenommen werden würde, bedeutet dies europaweit eine erhebliche Vereinfachung für die maschinelle Sortierung von Bauholz – und könnte in Zukunft für eine zuverlässigere, schnellere und billigere Holzsortierung nach Festigkeit sorgen und somit auch für mehr Sicherheit am Bau.
