Kein Risiko bei nachträglicher Kerndämmung
Um den extremen Witterungsbedingungen der Norddeutschen Küstenregionen standzuhalten, ist das schlagregensichere zweischalige Mauerwerk hier vorwiegend üblich. Aufgrund dieses speziellen Gebäudetyps gehen über 30% des gesamten Heizenergieverbrauchs über die Außenwände verloren.
Zur Erhaltung des landestypischen Charakters des Sichtmauerwerks ist eine Kerndämmung der außenseitigen Dämmung eindeutig vorzuziehen.
Obwohl auch vor möglichen Schäden der nachträglichen Kerndämmung gewarnt wird, wie z.B. fehlende Belüftung, Feuchteschäden innen an der Vormauerung wegen des behinderten Wasserablaufs, Regenwasser gelangt über die hydrophobierte Dämmung an die Innenschale, gibt es hierzu keinerlei Nachweise in Form von dokumentierten Beispielen. Bei dieser Art unbestätigter Kritik handelt es sich hier wohl eher um ein Vorurteil.
Sachverständige und Experten für Mauerwerksbau äußerten in einer Umfrage keine Bedenken und bewerten die Kerndämmung als ein sicheres und bewährtes System.
Die Unsicherheit wegen regional unterschiedlicher Witterungsverhältnisse kann anhand einer ausgesuchten Freilandversuchsstelle in Oberbayern auf einer flachen Hochebene in ca. 700 m über dem Meer, die ausgezeichnete Voraussetzungen für bauphysikalische Untersuchungen von Gebäuden und Bauprodukten bietet (starke Außenlufttemperaturschwankungen, häufige Frost-Tauwechsel, hohe Windgeschwindigkeiten, bis zu 2000 mm Niederschlag pro Jahr), beseitigt werden.
In unseren Nachbarländern, insbesondere in der Schweiz, in Holland und Dänemark wird die Kerndämmung sehr häufig angewendet und durchweg positiv beurteilt.
Kerndämmung und der wärmetechnische Nutzen
Während die frühere Einführung der Luftschicht beim Zweischalenmauerwerk zu einer maximalen Verbesserung von 20% führte, senkt eine 3 cm Dämmstoffdicke in einer zweischaligen Wand den Wärmeverlust nochmals um weitere 50%.
Anforderungen an das Dämmsystem
Definition der Kerndämmung gemäß DIN 1053-1 (1996)
- es ist keine Luftschicht vorhanden
- auf Lüftungsöffnungen kann folglich verzichtet werden
- Entwässerungsöffnungen sind im Fußpunktbereich anzuordnen
- Dämmstoffe müssen dauerhaft wasserabweisend sein
Aspekte zu häufigen Befürchtungen und Fragestellungen
Verhindert das Ausfüllen mit Kerndämmung die Belüftung und führt zu Feuchteschäden?
Vorzug einer Vormauerschale gemäß bauphysikalischer Untersuchung:
Das rasche Trocknen geschieht dadurch, dass Sonnenwärme und Wind die von der dünnen Außenschale aufgenommene Schlagregenfeuchte einfach wieder nach draußen abtransportieren.
Daher liegt der wesentliche Vorteil des Einsatzes von zweischaligen Konstruktionen in schlagregenreichen Regionen - unabhängig von der Belüftung - in der Trennung von bewitterter und tragender Mauerwerksschale.
Als Ergebnis von Messungen und Freilandversuchen stellte sich heraus, dass die Belüftung der Hohlschicht keinerlei erkennbaren Einfluss auf den Feuchtegehalt der Vormauerschale hat. Somit kann durch das Verfüllen mit Kerndämmstoff kein Mangel infolge fehlender Hinterlüftung entstehen.
Wassereindrang und verstärkte Frostschäden bei Kerndämmung?
Staut sich das Wasser bei Fehlen von Entwässerungsöffnungen infolge Kerndämmung?
Wie wirkt sich die Einleitung von Schlagregen aus?
Da sich immer erst die Steine des Sichtmauerwerks voll saugen (das Verblendmauerwerk kann bis zur Sättigung ca. 30-40 l/m² aufnehmen, wobei die stärkste Befeuchtung aufgrund des Winddrucks im oberen Teil der Wand auftritt) ist bei einer korrekten Verfugung auch bei längerem Schlagregen ein Wasserdurchtritt sehr selten.
Ein Experiment hat zudem gezeigt, dass die Auswirkungen auch bei größeren Fugen und Rissen entgegen der Vermutung bei weitem nicht so nachteilig sind.
Bekanntermaßen gelangt nur etwa 1% der jährlichen Schlagregenmenge auf die Innenseite der Vermauerung. Da es beim rückseitigen Ablaufen in den weniger vom Schlagregen betroffenen unteren Mauerbereich wieder aufgesaugt wird, richtet das Durchtrittswasser auch hier keinen Schaden an. Es gelangt praktisch nie zum Fußpunkt und den dort evtl. vorhandenen Entwässerungsöffnungen.
Die Wirkungsweise von eingefüllten Dämmstoffen unterscheidet sich im Hinblick auf den Schlagregenschutz nicht von der einer durchgehenden Luftschicht.
Bei ausgiebigen Beregnungsversuchen wurde sogar festgestellt, dass die Vormauerschalen bei Kerndämmung trockener blieben als die belüfteten Varianten.
Besteht bei der Kerndämmung die Gefahr einer Dampfdiffusion?
Die geringen Tauwassermengen werden von der Vormauerschale problemlos aufgenommen. Daher sind diffusionstechnische Bedenken vor unbelüfteten Dämmungen völlig unbegründet. Beobachtungen einer Fachvereinigung über einen längeren Zeitraum bestätigen, dass es bei mit Kerndämmung verfüllten Luftschichten ohne Lüftungs- oder Entwässerungsöffnungen auch nach 20 Jahren zu keinerlei Beanstandungen kam.
Erzeugt Kerndämmung Wärmebrücken mit Schimmelbefall als Folge?
Bezüglich verbleibender Wärmebrücken kann die Kerndämmung gleichermaßen wie ein Außendämmsystem bewertet werden. In beiden Fällen wird das Temperaturniveau aller innenliegenden Bauteilschichten einschließlich der Wärmebrücken angehoben. Im Vergleich zum ungedämmten Mauerwerk besteht selbst an durchstoßenden massiven Wärmebrücken wie Ankersteinen oder Balkonplatten ein weitaus geringeres Schimmelrisiko.
Materialvarianten von nachträglicher Kerndämmung
- Perlite, Rigibead, HK 35, Durolan: - werden überwiegend in Norddeutschland zur nachträglichen Kerndämmung verwendet
- Mineralwollflocken: - werden bevorzugt in den Nachbarländern eingesetzt (hierbei benötigt man deutlich mehr Einblasöffnungen, damit eine gleichmäßige Verteilung erreicht wird)
- Korkgranulat: - bei diesem organischen Erzeugnis kann eine Schimmelbildung nicht ausgeschlossen werden, jedoch gibt es hierzu keine näheren Erkenntnisse.
Zusammengefasste Resultate aus den unterschiedlichen Betrachtungen
Nachträgliche Kerndämmung
- deutlich verbesserte Behaglichkeit für die Bewohner
- keine bekannten Schadensfälle und Frostschäden
- keine Verstärkung von Wärmebrücken
