Schall & Holzbau
Forschungsergebnisse im Bereich Schallschutz
Die aus dem bis Ende 2008 fertiggestellten Forschungsprojekt der Holzforschung Austria gewonnenen Erkenntnisse zur Schall-Längsleitung in mehrgeschossigen Massivholzkonstruktionen wurden in einem Detailkatalog zur Unterstützung bei der schalltechnischen Bemessung von Gebäuden in Massivholzbauweise festgehalten.
Insbesondere ökologische und konstruktive Vorteile bedingen, dass das Interesse an mehrgeschossigen Gebäuden in Massivholzkonstruktion stetig wächst.
Der Schallschutz speziell bei der Flankenübertragung bedarf hierbei intensiver Beachtung. Aufgrund der aktuell im Bereich baulicher Schallschutz bestehenden Mindestwerte für die Schalldämmung der Außenbauteile und zwischen den Nutzungseinheiten, müssen bei der Planung sowohl der Trennbauteil als auch die gesamte Konstruktion des Gebäudes bekannt sein.
Aus langjährigen Forschungen ist ein Berechnungsmodell für die schalltechnische Prognose zwischen zwei Räumen im Gebäude, der EN 12354, entstanden, das jedoch für mineralische Massivkonstruktionen entwickelt und daher für Holzkonstruktionen nur bedingt anwendbar ist.
Schallübertragung zwischen zwei Räumen geschieht grundsätzlich über das Trennbauteil und über die Flanken. Bei der Geschossdecke sind hauptsächlich die flankierenden Wände als Nebenwege vorhanden.
Schalltechnische Untersuchungen im Rahmen des Forschungsprojekts:
- unterschiedliche Massivholzdeckenkonstruktionen mit verschiedenen Baulagern
- mit und ohne Befestigungsmittel
- mit akustisch optimierten Befestigungsmitteln
- Ergebnisvergleich mit den Berechnungen nach EN 12354
- Prüfung der Anwendbarkeit auf Massivholzkonstruktionen
- Zusammenfassung in einem Katalog mit bewerteten Konstruktionen
Detailkatalog zur Lösungsorientierung
› Auswahl jeweils eines Wand- und Deckensystems aus der Bauteilsammlung im Katalog
› Identifikation des Knotenpunkts in der zur Wandsituation zugehörigen Übersichtstabelle mit der darin bereits ersichtlichen Lagerempfehlung
› Nachschlagen des Knotenpunkts im entsprechenden Abschnitt, hier findet man eine detaillierte Darstellung und eine Tabelle zur Flankenübertragung
› Hierin enthalten:
- der über die Flanken übertragene bewertete Norm-Trittschallpegel LnDf,w
- die bewertete Norm-Schallpegeldifferenz Dnf,w der Flanken jeweils für vier unterschiedliche Baulager sowie für die verschraubte und die unbefestigte Knotensituation
› Energetische Addition der Kennwerte aus den Tabellen mit dem Zahlenwert des bewerteten Norm-Trittschallpegels Ln,w, beziehungsweise der bewerteten Norm-Schallpegeldifferenz der Decke Dn,w.
› Ergebnis = jeweilige schalltechnische Kenngrößen am Bau
Bezieht man zusätzlich das Volumen mit ein, so ist eine Umrechnung in weitere akustische Parameter (z.B. bewerteter Standard-Trittschallpegel L‘nT,w oder bewertete Standard-Schallpegeldifferenz DnT,w r) möglich.
› der Brandschutz des Bauteilknotens ist in einem separaten Kapitel beschrieben:
Verhinderung von Bränden in Gebäuden:- Kenntnis der Feuerwiderstandsdauer der jeweiligen Bauteile
- Wissen hinsichtlich des brandschutztechnischen Zusammenwirkens der einzelnen Bauteile
- Berücksichtigung des Brandverhaltens bei Anschlüssen und Installationen bereits in der Planungsphase
- Möglichkeiten zur Verhinderung der Brand- und Rauchgasweiterleitung durch Hohlräume und Fugen
(bei Brandversuchstests wurde der Raumabschluss von Wand-Decken-Konstruktionen in Holzrahmen- und Holzmassivbauweise geprüft)
Somit ist der Detailkatalog "Deckenkonstruktionen für den mehrgeschossigen Holzbau Schall- und Brandschutz" ein sehr nützliches Nachschlagewerk, in dem Lösungsmöglichkeiten bezüglich der Ausbildung von Wand-Decken-Verbindungen für die mehrgeschossige Holzbauweise aufgezeigt werden.
Auf der Grundlage von umfangreichen schalltechnischen Untersuchungen in Versuchsgebäuden sind die verschiedenen akustischen Kenngrößen, u.a. auch für die Flankenübertragung, verzeichnet, was sich sowohl für Planer als auch für Ausführende als dienliches Instrument erweist.
Was aus Sicht des Bauakustikers bei der Planung zu beachten ist:
die im Rahmen des Forschungsprojekts durchgeführten schalltechnischen Untersuchungen führen zu den folgenden Schlussfolgerungen:
- Vorsatzschalen an den Wänden und an der Decke (abgehängte Unterdecke)
- keine Anordnung von Baulagern mehr erforderlich.
- keine Vorsatzschalen für die Wände, aber Decke mit abgehängter Unterdecke
- Anordnung von Baulagern sowohl über als auch unter der Decke
- keine Vorsatzschalen an Wänden und Decke
- entsprechende Dimensionierung des Fußbodenaufbaus zur Erfüllung des notwendigen Trittschallschutzes
- Einbau von Baulagern oberhalb der Decke zur Verminderung der
- Luftschallübertragung über die Flanken.
- Vorsatzschalen an den Wänden, aber nicht an der Decke
- Empfehlung: Lager oberhalb der Decke, da ggf. die Energieeinleitung und die sich hieraus ergebende Abstrahlung der Decke zu hoch sein könnten.
